Salon Rouge im Mai

Veröffentlicht am 24.05.2023 in Aktuelles

Salon Rouge im Mai: „Geflüchtete vor der eigenen Haustür – geht das? Diskussion am Beispiel Schwabstraße“

 

Zum Salon Rouge im Mai hatte der SPD-Ortsverein mit dem Thema “Geflüchtete vor der eigenen Haustür – geht das? Diskussion am Beispiel Schwabstraße” geladen. Anlass war der Beschluss des Kreistags im März, dass in der Schwabstraße in Friedrichshafen eine Unterkunft für Geflüchtete gebaut wird. In zwei Gebäuden sollen bis zu 126 geflüchtete Menschen in einer Gemeinschaftsunterkunft Platz finden. Zahlreiche Anwohnerinnen und Anwohner kamen zu der offenen Diskussionsrunde.

Einen kurzweiligen Impulsvortrag gab Gemeinderat und Mitglied im Ortsvereinsvorstand Werner Nuber. Dabei gab er einen Einblick zu den weltweiten Fluchtbewegungen. „Die Welt kann sich dem nicht entziehen und muss Lösungen finden“, so Nuber. Deutschland zähle mit 2,2 Millionen Geflüchteten zum dritt größten Aufnahmeland weltweit. Dabei sind Kinder unverhältnismäßig stark betroffen. So sind unter den Geflüchteten rund 42 Prozent Kinder. „Es ist schwer, für unbegleitete minderjährige Geflüchtete zur Unterbringung Familien zu finden. Auch hier sind Notunterkünfte notwendig“, erklärte Nuber. Die Bevölkerungszunahme der letzten zehn Jahren in Deutschland um rund fünf Prozent sei ausschließlich durch Zuwanderung entstanden. „Es gibt enorme Herausforderungen, aber auch Chancen, in den Bereichen Wohnungs- und Arbeitsmarkt sowie Bildung und Integration“, sagte Nuber.

 

Den Blick auf kommunale Ebene richtete anschließend Norbert Zeller, SPD-Fraktionsvorsitzender im Kreistag. „Dem Bodenseekreis werden Geflüchtete zugewiesen und diese müssen untergebracht werden“, erklärte Zeller. Derzeit leben 1.161 Geflüchtete im Bodenseekreis in Gemeinschaftsunterkünften. Bei der kurzfristigen Unterbringung gelte „schnell und groß“, also verschiedene Turn- und Festhallen. Die mittelfristige Unterbringung stelle sich durch die Anmietung von Immobilien und die langfristige durch eigene Bauten des Kreises dar. So werden die Geflüchteten auf verschiedene Städte und Gemeinden im Bodenseekreis verteilt.

 

Die Fertigstellung der Unterkunft in der Schwabstraße sei für 2024 vorgesehen. „Die Wohnblocks werden so gebaut, dass sie später als Sozialwohnungen funktionieren. Hier haben wir ebenfalls einen hohen Bedarf“, erklärte Zeller. Es sei eine ständige Vorortbetreuung vorgesehen, um die Menschen für Sprache und Ausbildung zu fördern. „Wir werden die Menschen mitnehmen, was unsere Wertvorstellungen und unsere Kultur sind“, so Zeller. Nuber wurde deutlich: „Wir haben eine sehr positive Erfahrung mit der dezentralen Unterbringung. Das ist das, was wir favorisieren. Es geht allerdings nicht immer.“

 

In der anschließenden Diskussionsrunde meldeten sich viel Anwohnerinnen und Anwohner zu Wort. So äußerte einer der Teilnehmer seine Angst um die Sicherheit und seine Sorge, dass es einen Immobilienverlust geben werde. „Ihre Ängste und Sorgen werden ernst genommen“, versprach Zeller. So sollen durch Transparenz und Information die Anwohnerinnen und Anwohner eingebunden werden. Bis jetzt gebe es noch keine Auskunft zu dem Personenkreis, der einziehen werde. Es werde allerdings auf ethnische Ähnlichkeit Rücksicht genommen, um eine möglichst konfliktfreie Zone einzurichten. Eine Anwohnerin fragte nach konkreten Bauplänen. Diese seien, so Zeller, aktuell in der Umsetzung. Sie werden jedoch erst dann vorgestellt, wenn sie spruchreif seien. Dabei werden großzügig Grünflächen zu den bestehenden Gebäuden eingeplant. „Es wurden viele Alternativen geprüft, die aber keine sind“, stellte Zeller fest. Aus Tettnang berichtete ein Ehepaar von ihren positiven Erfahrungen mit Geflüchteten. „Es war am Anfang ganz, ganz fremd“, erklärte die Tettnangerin. Inzwischen seien großartige Kontakte entstanden und sie und ihre Familien fühlen sich sicher. Die Debatte zur Schwabstraße habe man auch in Tettnang geführt. „Integrationsarbeit braucht Zeit und darf nicht im abgestellten Bereich gelebt werden.“ Ein weiterer Anwohner der Schwabstraße sieht hohe Chancen, dass ein friedliches Miteinander möglich ist.

 

Der SPD-Ortsverein befürwortet den Bau in der Schwabstraße. Besonders wichtig dabei ist, die Sorgen und Ängste der Anwohnerinnen und Anwohner ernst zu nehmen. Sie dabei zu informieren und einzubinden sollte oberste Priorität der Verwaltung sein. Die Vorstellung der konkreten Baupläne und die Möglichkeit, hier Vorschläge einzubringen, ist ein wichtiger Schritt. Integration kann nur dann funktionieren, wenn sie gelebt wird. Dafür sind wichtige Weichen gestellt und werden berücksichtigt.

 

BU: Hatten für jede Frage eine Antwort: SPD-Fraktionsvorsitzender des Kreistags, Norbert Zeller und Gemeinderat Werner Nuber (v.l.)

i: Der „Salon Rouge“ ist eine Diskussionsrunde des Ortsvereins der SPD Friedrichshafen zu aktuellen Themen. Der nächste Salon Rouge findet am 20.06.2023 zum Thema „Grün in der Stadt: bürgerfreundlich, ökologisch, schön“ statt. Die Veranstaltung findet im Café des GPZ (Paulinenstraße 12) statt. Weitere Informationen unter spd-friedrichshafen.de

 

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